Tja, wenn ein Vielflieger bei den Medien als Experte durchgereicht wird, dann ist das so, wie wenn ein Vielesser dem 5-Sterne Koch vorzählt, was er in seinen Arbeitsablauf in der Küche falsch macht. Ohne jemals selbst eine Mahlzeit zubereitet zu haben.

Was der Journalist selber glaubt, hat im Journalismus nichts zu suchen.

Zunächst sah es so aus als ob das Flugzeug ganz urplötzlich vom Himmel gefallen wäre.

Jo mei. Wenn man noch keine Fakten weiß, sollte man als Journalist simpel und einfach schweigen.
Oder wie es Dieter Nuhr so schön formulierte: einfach mal die Klappe halten.

Macht es überhaupt Sinn, jede neue, manchmal absurde Wendung und jedes Mediengerücht zu einem Unglück in Deiner Rolle als Luftfahrtjournalist atemlos zu kommentieren, wäre stilles Abwarten und Analysieren nicht besser?

Kluge Frage.

Wenn man als Journalist einen gewissen Qualitätsmaßstab anlegt, dann kommentiert man nicht, wenn es keine verfügbaren FAKTEN gibt. Und auch nicht, wenn es alle anderen tun!

Exzellente Beschreibung der Sachlage auf poynter.org:

It is simple advice. To practice it, journalists have to channel their innate sense-making and social tendencies into real reporting, and mix in a measure of restraint.

It is so easy. If you don’t have information about the missing plane then do not write about it.
— Tom McGeveran

 

Müsste man zur qualifizierten Beurteilung von Flugzeugunfällen nicht auch ein wenig mehr fachlichen Hintergrund haben als jahrelanges Meinung verteilen? Technisches Studium? Pilotenlizenz, wenn es geht, mehrere? Type-Ratings – viele und viel unterschiedliche eigene Luftfahrterfahrung auf unterschiedlichsten Gebieten? Flugsicherungsinsiderwissen?

Ach, nee. Setzen der Leser und der Zuseher offensichtlich nicht voraus.

Weit haben wir es gebracht.

 

flattr this!

Journalistischer Nachwuchs, warum viele auf der Strecke bleiben

In diesem Kress-Beitrag spricht mir ein junger Kollege (Tim Wessling) aus der Seele. Endlich mal einer, der es begriffen hat. Hoffentlich setzt er sich durch.

In meinen Worten:

Journalismus braucht Querdenker.

Fortschritt (gerade in schwierigen Zeiten noch wichtiger) kommt nur durch Nicht-Angepaßtsein.
Durch Umdenken.
Neu-Denken!

Auf Stromlinie getrimmte Journalisten-Schulen-Absolventen können keine Veränderung bewirken.

Zinnsoldaten sind nicht die, die Welt vorantreiben.

Ein Mix aus möglichst buntem Lebenslauf, fundierter fachlicher! Bildung, ergänzt durch Journalismus und Erfahrung, ist wichtiger als gleich gegossene, gleich denkende Absolventen mit perfekt geplantem und abgestimmtem Lebenslauf.

Es braucht Brüche im Lebenslauf. Zeigen, dass man nach einem Rückfall wieder aufstehen und weitermachen kann. Dass man auch Schwierigkeiten meistert und nicht nur vom goldenen Serviertablett herab auswählen kann.

Es braucht eine(n) “Steve Jobs”. Auch im Journalismus.

flattr this!

Warum man – im Spiegel, aber auch in anderen Medien – vor einer großen Veranstaltung immer alles schlecht reden muss: die Veranstalter, die Organisation, das Land, ist mir schleierhaft.

Ginge es nach den Veröffentlichungen, wäre Olympia 2012 in London das reinste Fiasko mit hunderten von Toten geworden. Während und nach der Veranstaltung grenzte die Berichterstattung schon an Lobhudelei, wie toll doch alles war. Von denen, die tatsächlich vor Ort gewesen waren.

Aus dem Spiegel 1/2014: Im Matsch

Rund anderthalb Monate vor den Olympischen Spielen in Sotschi gleicht die Stadt am Schwarzen Meer weiterhin einer riesigen Baustelle.

Jo mei.
Wer schon mal am Abend vor der Buchmesse (dem Tag der Presseanstaltungen) auf dem Messegelände in Frankfurt war, glaubt auch nicht, dass es am nächsten Morgen geordnet und schön gestaltet losgeht. Und trotzdem passiert das jedes Jahr wieder.

Und genauso wird auf olympischen Veranstaltungen, Fußballweltmeisterschaften und ähnlichen, großen internationalen Ereignissen eben bis zuletzt gearbeitet, um den Teilnehmern und Besuchern ein schönes Fest zu bieten. Halbseitige Beiträge darüber, dass nicht alles vorher bereits glänzt, sind Papier- und Lesezeit-Verschwendung.

flattr this!

Ist schon vom letzten Jahr und daher ein wenig outdatet – zugegegeben. Aber erstens komme ich erst jetzt so langsam dazu, zwischendurch die letzen Spiegel “abzuarbeiten” und zweitens (trotz meines österreichischen Gemeckers – wer schimpft, der kauft) ist es das einzige Printprodukt, das ich noch Ausgabe für Ausgabe lese.

Also:
Zwar ist die kritische Auseinandersetzung des Spiegels mit Glaube und Religion im Weihnachtsblatt eines der (vielen) verlässlichen Dinge im Leben, und daher gähhn. So erwartbar. So abhakbar.

Diesmal aber war die (Titel-)Geschichte zum Thema: Woran glaubt der Mensch sogar unterhaltsam und lesenswert. Und das, obwohl mir die Beiträge von Matthias Schulz sonst meist zu flach und von der Schreibe zu platt sind.

:-) Man muss auch mal loben.

flattr this!

Es hat Tradition, dass ich einmal im Jahr rückwirkend für meine weltweit lebenden Freunde ein wenig aus meinem Leben berichte.

Seit der Buchmesse war ich ständig unterwegs, bis 20. Dezember in den USA und danach bis Mitte Januar in Europa. Über Monate aus dem Koffer zu leben, ist das eine; die ewig langsamen und offenen Hotel-Internetzugänge das andere. Letztere nahm ich zwar für den professionell gewarteten Scienceblog in Kauf, um den nicht ganz auszutrocknen, aber von böse geenterten Servern habe ich privat genug.

Zurzeit überarbeite ich zwei Tagungsbände fürs FHP-Symposium und bereite einen mehrtägigen “E-Book-Erstellen”-Kurs vor; Vorträge zum Thema gab es in den vergangenen Monaten bereits etliche auf unterschiedlichen (meist Fach-)Veranstaltungen.

Zur Home-Dropzone wurde in den letzten Jahren wieder Z-Hills, Cessna-fliegerisch bin ich europaweit unterwegs.

Tja, und Email bleibt die beste, schnellste und sicherste Methode, mich zu kontaktieren. Ich freue mich auf ein Wiedersehen, mit Dir und Euch und allen, die zu meinen Freunden zählen.

flattr this!

Sascha Lobo auf der Buchmesse in Frankfurt 2013. (c) H. Kleisny

Sascha Lobo, Torsten Casimir und Rachel Fershleiser auf der Deutschen Buchmesse in Frankfurt 2013, (c) H.Kleisny

Sobooks – Vorstellung
Das E-Book, wie wir es heute verstehen, ist nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat. Sobooks ist eine Antwort auf die Frage, was das Internet und soziale Medien aus dem Buch machen. Im Mittelpunkt steht ausdrücklich der Verkauf – denn Sobooks möchte den Markt für digitale Inhalte mit Autoren, Agenten und Verlagen ausbauen.

Soweit Sascha Lobo.

Sascha Lobo und die Großen.

“Nein, mit individuellen Autoren wollen wir nicht zusammenarbeiten, nur mit großen Verlagen und Verlagshäusern”, so der Internet-Guru, dem Autoren-Start-ups nicht ins Konzept passen. dabei wärend die vielen rechtlichen Baustellen, mit denen Sobooks derzeit noch kämpft, mit Einzelautoren sicher leichter zu lösen als mit großen Verlagshäusern und den dahintergeschalteten Autorenverträgen.

Zugegeben, Lobo ist in der Realität sympatischer als in seinen zahlreichen, öffentlichen, meist großkotzigen Aussagen, Vorhersagen und Beurteilungen, deren Experten-Wissensbasis sich mir nicht erschließt.

Sobooks hat noch etliche Stolpersteine, nehme am Closed-Beta-Test teil. Mal sehen. Zurzeit einzige Bezahlungsmethode der Social Books über Paypal :-(, einziges Einloggen per Facebook. :-(

Hintergrundinfo zu Sobooks gibt es hier.

wartenauflobo

Warten auf Lobo.
Vor der verschlossenen Türe.
Die Medienmeute ist pünktlich. Der Meister nicht, er hat sich auf der Buchmesse verlaufen…
(c) H. Kleisny

 

 

 

Sascha Lobo stellt Sobooks vor. (c) H. Kleisny

Und finally: Sascha Lobo erzählt eineinhalb Stunden über Sobooks. (c) H. Kleisny

 

 

 

 

 

 

 

 

flattr this!

Damit nicht nur ein Mediendienst am Pranger steht, zitieren wir auch Peter Turi, der ebenfalls mit Infos über die Fehler anderer seine Werbeeinnahmen abschöpft:

Der kleine Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen? Googles Autovervollständigung schlägt den Deutschen auf die Frage “Wie macht man …” ganz profan die Erweiterung “… Rührei” vor. Franzosen finden nach “Comment fait on …” natürlich “… l’maour”.

(aus dem Newsletter vom 18.9.2013)

:-)  Gerade die Pointe im Journalismus sollte korrekt sein. Hätte was.

flattr this!

Dass man nicht allen “Tipps” männlicher Kollegen folgen soll, wie man am schnellsten die Karriereleiter hinauffallen kann, lernt frau im Berufsleben sehr schnell.

In einem Beitrag vom 18.9.2013 des Nachrichtendienstes Meedia wird es krass:

einehandbreituebermKnie

Eine Handlänge überm Knie. Mindestens.

Mindestens?

Also sind zwei Handlängen noch besser?

Oder drei?

Wie wär’s gleich mit einem breitem Gürtel statt des Rockes?

:-) Vielleicht sollte man den Beitrag eher unter: Was der männliche Journalist sich so wünscht von seinen weiblichen Kolleginnen stellen, als unter: Wie die richtige Kleidung die Karriere fördern kann – Fünf Tipps für den perfekten Arbeitsdress…

BTW: Das Bild: What your clothing colours say about you ist im Netz schon gut abgehangen und seit Jahren auf zahlreichen Seiten eingesetzt. Hier geborgt wurde es vermutlich von folgendem Blog, mit dem ersten Kommentar im März 2013.

 

flattr this!

Nachdem wir uns vor einigen Wochen öffentlich um die gewichtsmässige Abnahme des Spiegels Sorgen gemacht haben, wollen wir nun auch die freudige Botschaft öffentlich verkünden: Der Spiegel nimmt an Umfang zu. Langsam kann man ihn wieder zum Fliegen erschlagen einsetzen, ohne dass sich die Seiten verbiegen.

Die Werbewirtschaft scheint also die Sorgen der Redaktion nicht zu teilen, dass sich Ex-Bildmann Nikolaus Blome nicht optimal fachlich ins Spiegel-Umfeld einpassen könnte. Sondern hofft inniglich auf eine Blattverbesserung durch die Neubesetzung des lange Zeit vakanten Postens.

Traurig sowieso, dass man in einem als so anspruchsvoll angesehenen Blatt inhaltliche Kontroversen scheut. Inhaltliche. Die menschelnden internen Streitigkeiten werden ja seit Monaten in der gesamten Republik breitgetreten.

 

flattr this!

wahl2013

 

 

 

 

 

 

 

 …oder, was manche Wahlplakataussagen mit Casanova gemein haben…

Egal, von welcher Partei, die Texte auf den Plakaten zeigen nicht einmal ein Versprechen VOR der Wahl. Eine willkürliche Auswahl:

Wer alles gibt, muss mehr bekommen.

Partner der Vernunft.

Solide Finanzen.

Gleiche Bildungschancen für alle.

Wenn die Sonne scheint, ist der Himmel blau.

Kalter Winter.

Nun gut, die letzten zwei stammen nicht von Wahlplakaten. Inhaltlich liegen sie aber auf der gleichen Ebene.

Unter einem (Wahl-)Versprechen würde ich etwa Folgendes verstehen: Wir garantieren Ihnen, dass, wenn unsere Partei nach der Wahl an der Regierung ist, wir für Sie als Wähler dies umsetzen:
Wenn Sie alles geben, erhalten Sie mehr vergütet als zuvor.
(Sinngemäß)
MEHR Geld? Zeit? Anerkennung? Was?

Sonst hat es ungefähr den Wert wie: Schmeckt so herrlich Joghurtleicht. Die Tatsache des Geschmacks hat Nullkommanichts mit den Hüftspeckansetzenden Kalorien des Süßriegels zu tun. Ähnelt den Aussagen eines Mannes zu seiner Angebeteten: Die Liebe ist so etwas Schönes.
Prima, du Dussel, sag ihr doch, dass Du SIE liebst und wirf keine Allgemeinplätze, für die Du nicht zuständig zeichnest, in die Welt. :-)

Welche Partei soll ich denn nun am Sonntag wählen? Welchem rhetorischen Allgemeinplatz glaube ich am ehesten?

Ach, beinahe hätte ich es vergessen – als Nicht-Deutsche darf ich zwar Steuern zahlen aber beim Ankreuzeln nicht mitmachen. Welch ein Glück?

 

 

 

 

flattr this!