Archive for Oktober, 2011

Verzaubert – das ist die kürzeste und treffendste Beschreibung eines Besuchers der diesjährigen Ausstellung des Gastlandes auf der Buchmesse. Die perfekte Umsetzung des gewählten Mottos. Riesige Leinwände, auf denen Menschen wie Du und ich gemütlich zu Hause sitzen und ein Buch lesen. Ganz unvermutet bewegt sich einer und blättert um. Und dann fängt ein anderer hinter dir an, auf isländisch aus seinem Buch vorzulesen. In schummriger Beleuchtung tauchen auf einmal reale Wohnzimmer auf, die mit gemütlichen Sofas zum realen Lesen einladen. Zauberhaft! Hingehen! Ansehen!

Weniger erfreulich ist, dass das Pressezentrum ohne Ankündigung in der von der IAA übriggebliebenen, ausgedienten Audi-Halle untergebracht ist. Der Pulk von internationalen Journalisten nahm bis auf 20 nationale und internationale Kollegen zu, bis wir mit vereinten Kräften das ramponierte Ei als neues Pressedomizil entdeckten. Viel „weiß nicht; Presse? Hää?“ und ähnlich aufmunternde Kommentare begleiteten uns bis dahin.

Mal sehen, die Buchmesse 2011 hat ja gerade erst begonnen.

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Genuss pur…warum man(n) auf die Anuga geht:
Anuga 2011-1
Anuga ist die alle zwei Jahre in Köln abgehaltene Ausstellung der Nahrungs- und Genussmittelproduzenten…

 

Weitere Bonmots von der Anuga 2011

anuga icon Wenn der Teller wichtiger wird als das Essen darauf, präsentiert man jedes Shrimpchen auf einem eigenen Tellerchen:
Anuga 2011-2Anuga 2011-3

anuga icon Was ist innovativ, trendgerecht, umsatzstark? Zumindest nach der Meinung des Herstellers?
Gestrecktes Hack. Hackfleisch, das um 20 Prozent weniger (hochwertiges) Fleisch, dafür aber nicht näher deklariertes pflanzliches Eiweiss enthält. In Fleischmangelzeiten (Krieg) bezeichnet man derartiges in Österreich als „Falscher Hase“. Gutes Marketing ist, wenn man Mängel als Qualität anpreist.
Ein Mischprodukt also statt purem Fleisch. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, nur die Art des Anpreisens befremdet. Mich als Käufer zumindest.
hackplus war Gewinner des Innovationspreises der Anuga taste11.

anuga icon Laut einer Presseaussendung führte einen Monat nach Ungarn auch Dänemark eine Steuer auf ungesunde Lebensmittel ein. Um umgerechnet je 2,15 Euro je Kilogramm ungesättigter Fette werden die Dickmacher dort teurer.

anuga icon Schon das Wort ist ein Monstrum: Lebensmittelkennzeichnungsverordnung. Besonders Konditoren und Schokoladenhersteller wehrten sich gegen die EU-weite Einführung obiger Verordnung. Sie fürchteten Umsatzeinbußen, wenn der Käufer verständlich und leicht lesbar nachsehen könnte, wie viel Zucker, Fett und Kalorien jedes Produkt enthält. Aber ernsthaft: wer Schokolade genießt, liest doch keine Kalorienangaben. Das macht man bei bewusster Ernährung…
Für den Aufdruck der Nährwertangaben haben die Hersteller nun fünf Jahre Zeit.

anuga icon

Biozertifiziert nach EG-Öko-Verordnung und ausgezeichnet mit dem EU Bio-Siegel

Auch wenn man als Verbraucher keine Ahnung hat, was das in der Praxis bedeutet, hört sich das doch ultra-gesund an. Auch noch, wenn man weiß, dass das Produkt Rührei im Karton ist und in dieser Form (laut Hersteller) bis zu sieben Wochen haltbar ist?

Einmalig praktisch: …im 1ooog-Tetra Brik mit Drehverschluss

Wohl bekomm’s.

anuga icon Getränketrends
Der Bierabsatz nimmt großflächig ab, Alkohol ist von der zunehmend älter werdenden Käuferschichte weniger gefragt. Da muss doch wieder etwas Neues her: Energiedrinks in allen Variationen. Was mit der zuckrigen, koffeinhaltigen Aufputschlimonade Red Bull begann, findet mehr und mehr Nachahmer. Von nicht sonderlich gesundheitsfördernen Dosenlimos ählicher Zusammensetzung bis hin zu Fruchtsaftmischungen, bei denen der Energie-Kick nur mehr durch den Zuckerzusatz („ist nur Fruchtzucker“) geschehen soll.
Irgendwo dazischen auch sinnvolle, neue, vielfach exotische Getränkemixturen aus möglichst naturbelassenen Früchten und mit statt Zucker zugesetzten Vitaminen. Fruchtsaft 3.0 – bitte mehr davon.

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Sebastian Vettel ist zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister

titelt die Deutsche Welle in ihrem Newsletter.
So weit, so korrekt.

Aber bei

Vettel ist am Ziel seiner Träume

hört sich die Realität schon wieder auf.
Ist das Wunschdenken des Redakteurs? Oder wann/wobei genau hat Sebastian Vettel das gesagt?
Warum unterstellt man jemandem, dass er sein ultimative Ziel bereits erreicht hat?
Weil sich der kleinkarrierte Schreibtischtäter schon die Leistungen davor nicht vorstellen konnte?

Direkt nach dem Rennen meinte Vettel: …“Es ist fantastisch, dieses Ziel zu erreichen, das wir uns vor der Saison gesetzt haben.“

Vettel spricht von einem Ziel, das er erreicht hat. Nicht mehr, nicht weniger.

Kein seriöser Journalismus stellt Mutmaßungen als Tatsachen hin.

Seriös sieht anders aus.

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