Archive for Dezember, 2012

…aber das nicht (aus Frankfurter Rundschau Online vom 8.12.2012):

In Deutschland kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen mit Kleinflugzeugen.

Es kommt auch immer wieder zu tödlichen Unfällen im Auto, beim Schifahren und durch Baumängel. Der Mensch, jeder, um genau zu sein, stirbt irgendwie irgendwann, so endet nun mal das menschliche Leben.

Obiges Zitat ist eine Plattitüde und keine seriöse Recherche. Im Artikel werden auch einen Tag später weder die beiden Flugzeugtypen, noch das Wetter über der Unfallstelle aus meteorologischer Sicht genannt, auch nicht, welche Maschine Vorflugrecht hatte (das lässt sich anhand des abgebildeten Wracks feststellen).

Es mangelt im Text an für den Unfall spezifischen, recherchierten Fakten, die auch zum jetzigen Zeitpunkt für fachkundige Journalisten schon in Erfahrung zu bringen sind:

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren die ganze Nacht bei Minusgraden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Unfallstelle war weiträumig abgesperrt, Blaulicht zeugte in der Dunkelheit der Wetterau weithin von der Katastrophe. Ein Polizeihubschrauber beleuchtete das etwa einen Quadratkilometer große Trümmerfeld.

Auch wie die Unfalluntersucher aussehen und ihr Zelt gegen die Kälte ist für den Fall nicht relevant. 🙁  Das entspricht eher der Qualität eines Schulaufsatzes: Was passierte heute in unserem Dorf?

Worteschinderei und blabla statt fachkundiger Recherche. 🙁
Wer glaubt ernsthaft, dass ein Leser bereit ist, für solche Wortansammlungen Geld zu bezahlen?

Verleger Michael Ringier:

Der Journalismus ist nicht in erster Linie durch das Internet gefährdet. Die viel größere Bedrohung sind die Journalisten selber.

Anmerkung:
Obiger Blogbeitrag wurde auch als Kommentar auf der Seite der fr gepostet. Das erste Mal war er wenige Minuten nach dem Veröffentlichen gelöscht. Der zweite Versuch ist hier dokumentiert. Kurze Zeit später war auch der zweite Kommentar gelöscht, dafür folgende Email bei mir:

Sehr geehrte/r User/in,
bitte unterlassen Sie zukünftig Unterstellungen und Diffamierungen gegen unsere Redakteure.
Sie können die Artikel gerne sachlich kritisieren, aber beachten Sie dabei unsere Netiquette.
Bei weiterer Zuwiderhandlung werden wir Ihren Account löschen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr FR-Online Team

Ergänzung (11.12): mein Kommentar, auch wenn er offiziell mit einem Drohbrief an mich zurückgewiesen wurde, hat zumindest bewirkt, dass nun nachrecherchiert wurde.
Im frischen zweiten Beitrag, nun einige Tage nach dem Unfall hat die fr nun tatschlich die Wetterbedingungen bei der Flugsicherung (!), nachgefragt. Aus erster Hand recherchiert man die beim DWD. Aber immerhin. Man wird ja bescheiden bei den Qualitätsansprüchen im Journalismus.

Eine Robin (für Fachkundige auch schon auf dem Unfallfoto als Flugzeug erkennbar) ist kein UL. Und die Saratoga, ein sechsitziger Zweitonner, erst recht nicht. Und ja, das macht einen Unterschied für die Zulassung/Anforderung von/an Flieger und Pilotenlizenz.

Wenn man bei der fr zwar meine Kritik am schlecht recherchierten fr-Beitrag mit einem Drohbrief zurückweist, den Kommentar-Inhalt aber zumindest ansatzweise versucht umzusetzen, zeigt, dass dessen Inhalt wohl korrekt war. Sehr korrekt sogar. Schlechter Stil für den Umgang mit Lesern ist das allemal.

Unser Beileid gilt den Angehörigen des 737-Kapitäns und seiner Lebensgefährtin und ebenso den Angehörigen der Familie in der Saratoga.

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Text aus einem Gesundheits-magazin

 
Hmm? Wer drei Wochen mit zu vollem Magen übersteht, ob der dann noch gesund ist? Vielleicht sollte man doch besser eine Medizin vorschlagen, die etwas schneller wirkt? Wie wäre es mit: „Einfach gleich weniger essen“, oder mit: „etwas Leichterem statt einer üppigen Gans“?

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Zitat der Bildunterschrift, halbseitiges Foto als Eye-Catcher im Spiegel 47, 2012 :

Acker auf See: Die in der japanischen Küche beliebte Alge Nori gedeiht auf farbigen Netzen, die im flachen Wasser der Ariakesee verankert sind. Die Ernte beginnt in wenigen Wochen. (Foto von The Asahi Shimbun)

Leider kein Wort im Text dazu, ob die Algen durch das Meerwasser nicht verseucht sind, oder dazu, in welchem Grad die Belastung liegt. Fukoshima liess sich gut ausschlachten, als es „aktuell“ war und für die hiesige Politik benutzbar. Die wirklichen Gefahren der noch langen Verseuchung von Nahrungsmitteln aus der Area wären das eigentliche Thema. Für ein seriöses, auch inhaltliches ernst zu nehmendes Magazin.

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