Archive for the ‘Luft-und Raumfahrt’ Category

Tja, wenn ein Vielflieger bei den Medien als Experte durchgereicht wird, dann ist das so, wie wenn ein Vielesser dem 5-Sterne Koch vorzählt, was er in seinen Arbeitsablauf in der Küche falsch macht. Ohne jemals selbst eine Mahlzeit zubereitet zu haben.

Was der Journalist selber glaubt, hat im Journalismus nichts zu suchen.

Zunächst sah es so aus als ob das Flugzeug ganz urplötzlich vom Himmel gefallen wäre.

Jo mei. Wenn man noch keine Fakten weiß, sollte man als Journalist simpel und einfach schweigen.
Oder wie es Dieter Nuhr so schön formulierte: einfach mal die Klappe halten.

Macht es überhaupt Sinn, jede neue, manchmal absurde Wendung und jedes Mediengerücht zu einem Unglück in Deiner Rolle als Luftfahrtjournalist atemlos zu kommentieren, wäre stilles Abwarten und Analysieren nicht besser?

Kluge Frage.

Wenn man als Journalist einen gewissen Qualitätsmaßstab anlegt, dann kommentiert man nicht, wenn es keine verfügbaren FAKTEN gibt. Und auch nicht, wenn es alle anderen tun!

Exzellente Beschreibung der Sachlage auf poynter.org:

It is simple advice. To practice it, journalists have to channel their innate sense-making and social tendencies into real reporting, and mix in a measure of restraint.

It is so easy. If you don’t have information about the missing plane then do not write about it.
— Tom McGeveran

 

Müsste man zur qualifizierten Beurteilung von Flugzeugunfällen nicht auch ein wenig mehr fachlichen Hintergrund haben als jahrelanges Meinung verteilen? Technisches Studium? Pilotenlizenz, wenn es geht, mehrere? Type-Ratings – viele und viel unterschiedliche eigene Luftfahrterfahrung auf unterschiedlichsten Gebieten? Flugsicherungsinsiderwissen?

Ach, nee. Setzen der Leser und der Zuseher offensichtlich nicht voraus.

Weit haben wir es gebracht.

 

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Auch  wenn ich – wegen Um- und Neugestaltung der Website – hier nichts mehr an Inhalt hinzufügen wollte: Das muss noch sein:

–> Beitrag wurde auf Scienceblogs.de/flugundzeit verschoben.

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…aber das nicht (aus Frankfurter Rundschau Online vom 8.12.2012):

In Deutschland kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen mit Kleinflugzeugen.

Es kommt auch immer wieder zu tödlichen Unfällen im Auto, beim Schifahren und durch Baumängel. Der Mensch, jeder, um genau zu sein, stirbt irgendwie irgendwann, so endet nun mal das menschliche Leben.

Obiges Zitat ist eine Plattitüde und keine seriöse Recherche. Im Artikel werden auch einen Tag später weder die beiden Flugzeugtypen, noch das Wetter über der Unfallstelle aus meteorologischer Sicht genannt, auch nicht, welche Maschine Vorflugrecht hatte (das lässt sich anhand des abgebildeten Wracks feststellen).

Es mangelt im Text an für den Unfall spezifischen, recherchierten Fakten, die auch zum jetzigen Zeitpunkt für fachkundige Journalisten schon in Erfahrung zu bringen sind:

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren die ganze Nacht bei Minusgraden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Unfallstelle war weiträumig abgesperrt, Blaulicht zeugte in der Dunkelheit der Wetterau weithin von der Katastrophe. Ein Polizeihubschrauber beleuchtete das etwa einen Quadratkilometer große Trümmerfeld.

Auch wie die Unfalluntersucher aussehen und ihr Zelt gegen die Kälte ist für den Fall nicht relevant. 🙁  Das entspricht eher der Qualität eines Schulaufsatzes: Was passierte heute in unserem Dorf?

Worteschinderei und blabla statt fachkundiger Recherche. 🙁
Wer glaubt ernsthaft, dass ein Leser bereit ist, für solche Wortansammlungen Geld zu bezahlen?

Verleger Michael Ringier:

Der Journalismus ist nicht in erster Linie durch das Internet gefährdet. Die viel größere Bedrohung sind die Journalisten selber.

Anmerkung:
Obiger Blogbeitrag wurde auch als Kommentar auf der Seite der fr gepostet. Das erste Mal war er wenige Minuten nach dem Veröffentlichen gelöscht. Der zweite Versuch ist hier dokumentiert. Kurze Zeit später war auch der zweite Kommentar gelöscht, dafür folgende Email bei mir:

Sehr geehrte/r User/in,
bitte unterlassen Sie zukünftig Unterstellungen und Diffamierungen gegen unsere Redakteure.
Sie können die Artikel gerne sachlich kritisieren, aber beachten Sie dabei unsere Netiquette.
Bei weiterer Zuwiderhandlung werden wir Ihren Account löschen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr FR-Online Team

Ergänzung (11.12): mein Kommentar, auch wenn er offiziell mit einem Drohbrief an mich zurückgewiesen wurde, hat zumindest bewirkt, dass nun nachrecherchiert wurde.
Im frischen zweiten Beitrag, nun einige Tage nach dem Unfall hat die fr nun tatschlich die Wetterbedingungen bei der Flugsicherung (!), nachgefragt. Aus erster Hand recherchiert man die beim DWD. Aber immerhin. Man wird ja bescheiden bei den Qualitätsansprüchen im Journalismus.

Eine Robin (für Fachkundige auch schon auf dem Unfallfoto als Flugzeug erkennbar) ist kein UL. Und die Saratoga, ein sechsitziger Zweitonner, erst recht nicht. Und ja, das macht einen Unterschied für die Zulassung/Anforderung von/an Flieger und Pilotenlizenz.

Wenn man bei der fr zwar meine Kritik am schlecht recherchierten fr-Beitrag mit einem Drohbrief zurückweist, den Kommentar-Inhalt aber zumindest ansatzweise versucht umzusetzen, zeigt, dass dessen Inhalt wohl korrekt war. Sehr korrekt sogar. Schlechter Stil für den Umgang mit Lesern ist das allemal.

Unser Beileid gilt den Angehörigen des 737-Kapitäns und seiner Lebensgefährtin und ebenso den Angehörigen der Familie in der Saratoga.

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Das Problem an Jungjournalisten ist, dass sie mit Mitte zwanzig zwar automatisch für alle Preise abonniert sind, das aber leider weder ihr Allgemeinwissen widerspiegelt, noch ihre spezielle Ahnung auf Gebieten, über die sie schreiben.

Aus: Der Spiegel 52/2010, ein ganzseitiger Beitrag über einen dänischen Möchtegern-Raumfahrer, der Raketen bastelt:

„Flight“ hat er mit Filzstift auf seine Brusttasche geschrieben. Flug.

Nein. Und nochmals nein. Volksschulwissen langt hier nicht. Entweder man ist alt genug, um sich noch an die Life-Übertragungen der amerikanischen Mondlandungen zu erinnern, oder man recherchiert und gibt nicht Mutmassungen wieder.

Das Schildchen „Flight“ am Anzug heißt nicht „Flug“. Es zeigt eine Position. „Flight“ ist die Bezeichnung für den Ranghöchsten einer Mission, den Flight Director. Flight ist derjenige, der das Sagen in allem und jedem Punkt hat. Das wollte wohl auch der Däne mit seinem Schildchen ausdrücken: Hier bestimme ich, denn ich bin „Flight“.

Aber was will man von einem Magazin, das schon vor Jahren in einem Beitrag nicht wusste, dass HAL, der Name des denkenden Bordcomputers von „2001“, simpel und einfach IBM minus 1 entspricht…

Einfach mal die Masse fragen, die Leser, die Nerds des Faches, über das man schreibt. Bevor man sich als Jungspund lächerlich macht.

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Schon der Ausdruck Kleinfliegerei zeigt Überheblichkeit. Meist gebraucht übrigens von Menschen, die nicht einmal „kleine“ Flieger steuern können und dürfen. Geschweige denn das, was sie als „große“ bezeichnen.

Aus Der Spiegel 36/2010

Für Berufspiloten sind die sedierenden Antiallergika streng verboten. Die Kleinfliegerei dagegen unterliegt keinerlei Kontrolle…

Der zweite Satz ist schlichtweg falsch. Die Luftaufsicht an einem Flugplatz kann auch jeden Piloten, der zu einer zweisitzigen Cessna schlappt, grounden, wenn sie der Meinung ist, dass der Pilot, warum auch immer, intoxicated ist und daher eine Gefahr für (sich und) andere darstellt.

Zudem entbehrt der versuchte Schluss aus dem erstem Satz jeglichen Sinn: Man kann nicht etwas Verbotenes mit einer Kontrolle dazu vergleichen. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

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Das Fraunhoferinstitut führte im Auftrag der Lufthansa ein Studie durch zum Thema: Warum Menschen als Passagiere im Flugzeug mehr Tomatensaft trinken als am Boden.

Wenn man zu viel Geld übrig hat, kann man dies natürlich für sinnlose Studien ausgeben. Denn, dass Tomatensaft bei geringerem Luftdruck anders schmecke als am Boden, mag zutreffen; ist aber nicht die Antwort auf die Frage. Einfacher Gegenbeweis: Da müsste auf jeder Berghütte oder am Himalaya der Konsum des roten Getränks ebenso gefragt sein. Oder die Cockpitcrews auch vermehrt Tomatensaft trinken. Tun sie aber nicht.

Die Erfahrung eines Vielfliegers weiß – auch ohne teure Studie – als Antwort:

Tomatensaft ist das einzige Getränk auf dem Trolley, das der Vorstellung des knurrenden Magens nach einer „festen“ Speise (Suppe) wenigstens nahekommt. Wenn aus Kostengründen wieder einmal kein Essenstablett verfügbar ist.

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Bei modernen Flugzeugen sollte es egal sein, ob ein Pilot oder eine Pilotin am Steuer sitzt. Weder muss ein Propeller mit Kraft angeworfen noch das Höhenruder mit Muskelgewalt bewegt werden.

Das sehen die Auftraggeber einer Studie über Privatpiloten offensichtlich anders:

Wie schon erwähnt, suchen wir Motor- und/ oder Segelflieger. Männer, die nur in der Freizeit und nicht von Berufs wegen fliegen, ab 35 Jahre.
Sie sollten den „Aerokurier“ und das „Fliegermagazin“ lesen oder kennen und nicht in der Marktforschung, Marketing, Presse, Funk oder Fernsehen beschäftigt sein.
Wir laden zu einer Gruppendiskussion in …. am…
Die Aufwandsentschädigung beträgt 150.-Euro.

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