Auf acht Seiten lamentiert Cardt Schnibben im dieswöchigen Spiegel über den Untergang der Tageszeitungen. Die grafische Umsetzung „des Zeitungsdramas“ ist beeindruckend, leider im Negativen. Alle Kurven stürzen ins Bodenlose.

Was Schnibben aber geflissentlich übersieht, oder verschweigt, ist der seit Wochen besorgniserregende Umfang des Spiegel selbst. Extreme Abmagerungskuren mögen für (übergewichtige) Menschen gut sein, für Magazine sind sie es nicht. Und Leser, die immer wieder monierten, gefühlt mehr als die Hälfte der mehr als 200 Seiten seien Werbung, sollten sich klarmachen, dass nur durch Werbung im Blatt auch Geld für ausgiebigere Recherchen in einem Verlag vorhanden ist.

Auf den acht Seiten der Braking-News-Geschichte ist nicht eine einzige Werbung, und auch etliche Seiten weiter keine. Das ist schlecht, vor allem, wenn über Wochen der gedruckte Spiegel kaum mehr die gewichtige Substanz hat, um eine Fliege ordentlich an der Wand zu erschlagen. Diese Woche: 138 Seiten Umfang. Inklusive Werbung.

Die eigene Misere kommt aber im Bericht nicht vor. Schweigen im Walde. Kann man sicher mit dem journalistischen Ehrencodex: „Nicht mit der Sache gemein machen“ abhaken. Aber auch mit: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen? Unehrlich dem Leser gegenüber ist es in jedem Fall.

Die hier und auch andernorts gerne zitierten Chefredakteure einiger weniger Tageszeitungen, die keine Gefahr für Print sehen, sind meist weit über die 40 Jahre Altersgrenze hinaus. Auch die Realität wird ihre Sicht der Welt nicht mehr ändern. Sie werden allerdings mehr kurz als lang im Tageszeitungsgeschäft aussterben.

Dass die FAZ mit Sicherheit als eine der längsten überleben wird, liegt nicht nur an ihrem Inhalt, sondern auch an ihrem finanziellen Sicherheitspolster, auf das sie zurückgreifen kann. Auch ein modern denkender Journalist wie von Blumencron, der schon in der Spiegel-Redaktion Schwierigkeiten hatte, seine Vorstellungen durchzusetzen, wird noch sehen, wie er das in einem (von mir sehr geschätzten) extrem konservativen Blatt wie der FAZ schafft. Eine Umgebung, in der selbst so mancher Ressortleiter heute noch immer nichts mit dem Begriff Multimediales Storytelling anfangen kann, geschweige denn etwas vom „Snowfall“ der New York Times gehört hat.

Mal sehen. Der Herbst wird spannend und sicher noch weiter veränderungsreich.

Auch das Multimediale Geschichtenerzählen stößt an seine Grenzen. Wenn für eine einzige Geschichte zwar die gesamte Redaktion mehrere Wochen blockiert ist, diese aber selbst Unteraufträge keinesfalls an Externe vergibt: „So wichtige Sachen machen wir nur mit internen Mitarbeitern, das müssen Sie schon verstehen…“ dann leidet nicht nur das Tagesgeschäft. Multimedia-Erzählaktionen einzelner groß aufgeblasener Geschichten taugen dazu, mal einen Preis abzusahnen, dadurch vielleicht das eigene Image weg vom angestaubten Medium aufzupolieren, aber sicher nicht als langfristige einzige Rettung für Tages- oder Wochenzeitungen.

Aktuell kann selbst eine Tageszeitung, geschweige denn eine Wochenzeitung, in Zeiten des allgegenwärtigen Netzes nicht sein. Schlimm ist allerdings, wenn selbst die Online-Ausgaben der großen Zeitungen, für die sie nun fast unisono Geld verlangen wollen, fern von jeder Aktualität sind. Beispiel Unfall der Asiana, bei der laut Google mein Fachbeitrag stundenlang die einzige deutschsprachige Information im Netz dazu war (siehe ersten Kommentar zum Beitrag). Ohne Bezahlschranke. Dafür aber mit Hintergrundwissen.

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, hat das Zeug dazu, es der Branche zu zeigen. Mit seinem Kauf der Washington Post stieß er auf Unverständnis bis Angst bei den alteingesessenen Kollegen. Was er verändern will, hat er ziemlich deutlich gesagt: Nicht die Qualität (wie so viele hierzulande, die an der Kostenschraube drehen, bis sie bricht) sondern den Output. Die Art des Lesens. Vermutlich wird er sich dabei auf Tablets fokussieren und hat dabei noch den bionischen Nebeneffekt, dass mit mehr Tablets auch E-Lesen weiter in den Alltag für jedermann eingebunden und normalisiert wird und dadurch auch die E-Book-Verkäufe bei Amazon weiter steigern.

Zwar bin ich noch in einem Elternhaus groß geworden, in dem die papierene Tageszeitung jeden Morgen am Frühstückstisch lag, aber schon als Erwachsener fand ich es im Flugzeug nervig, eine A2-große Tageszeitung zu lesen ohne den Nachbarn dadurch zu belästigen. Und der Versuch, auf kleinere Formate umzusteigen, hat es zumindest für mich auch nicht gebracht: Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, dem immer das Image des Schnellen und des Abgewerteten anhaftet.

Informationen auf dem Tablet haben den Vorteil, dass sie jederzeit frisch sind (wenn die Redaktion spurt) und eben auch durch Links, Bildergalerien, Videos und weitere, tiefere Berichte ergänzt werden können. Das muss man nicht als etwas Besonderes, als „Mulitmediales Storytelling“ verkaufen. Das ist einfach nur sinnvolles Nutzen des Mediums. Sinnvoller jedenfalls, als eine A2-Seite mehr oder minder 1:1 ins Netz zu stellen.

Wenn diese Art der Berichterstattung einer Zeitung normal wird, ohne dass sich die Redaktion dahinter mit dem Etikett des Besonderen schmückt, dann wird die „Tageszeitung“ überleben. Auf dem Tablet. Wie Jeff Bezos es der Branche vorführen wird.

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Werbeagenturen sollte man ab und zu auf die Finger schauen. Genauer. Zumindest wenn man sein Produkt dem potentiellen Kunden korrekt präsentieren möchte.

Bildausschnitt (ohne die roten Markierungen) ist Teil einer ganzseitigen Werbung, die unter anderem im Spiegel seit einigen Wochen läuft.

Lufthansa Werbung für die Business Class mit doppeltem Pfeffer…

Lufthansa Werbung für die Business Class mit doppeltem Pfeffer…

Lange Zeit gab es in der Lufthansa Business Class keine kleinen schnuckeligen Pfeffer- und Salz-Streuer mehr am individuellen Tablett des Gastes. Trotz rigoroser Sparmassnahmen kommen sie nun offensichtlich zurück. Schön für den Gast.

Dann aber geht sicher kein Flugbegleiter mehr durch die Kabine mit einem extra Pfefferstreuer. Oder doch? Das wäre doch wieder ein neues Einsparungspotential, mit dem sich einer brüsten könnte.

Es wurden schon leichtere und wichtigere Dinge als ein Pfefferstreuer aus dem Flieger entfernt, um Gewicht zu sparen.

Aber zweimal Pfeffer ist für die Sicherheit sicher unabdinglich notwendig. Oder?

Schildbürgerstreich…

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Das war im Juni ein super spannender Vortag an der Uni Mainz, Statistik-Vorlesung um genau zu sein. Und wer denkt, Statistik – gähhn, der sollte sich mal ansehen, was die beiden Zeitkollegen: Redakteur Matthias Stolz und Grafiker Ole Häntzschel dazu zu zeigen haben. Die Erfinder der „Deutschlandkarte“ und anderer Infografiken im ZEIT-Magazin haben mit den langweiligen Umsetzungen von Zahlen in Torten oder Balken nichts mehr zu tun.

Statt gähhn……

Auszüge aus Spiegel-Magazinen der vergangenen Wochen. Torte bis zum Umfallen…

Auszüge aus Spiegel-Magazinen der vergangenen Wochen. Torte bis zum Umfallen…

mal anders:

Wer war wie oft auf dem Spiegel Cover? Das muss man bei der ZEIT nicht in Torten sehen. Foto: hkl

Wer war wie oft auf dem Spiegel Cover? Das muss man bei der ZEIT nicht in Torten sehen. Foto: hkl;

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Man lernt nie aus: Kühe werden zwar gemolken, aber die Milch wächst auf den Bäumen:

In speziellen Milchkristallen ist sogar noch mehr Melatonin enthalten. Diese werden aus Kuhmilch gewonnen, die vor Sonnenaufgang geerntet wurde.

(Aus einer Pressemeldung der Milchkristalle GmbH:
Wissenswertes zum internationalen Tag der Milch am 1. Juni)

 

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Auch  wenn ich – wegen Um- und Neugestaltung der Website – hier nichts mehr an Inhalt hinzufügen wollte: Das muss noch sein:

–> Beitrag wurde auf Scienceblogs.de/flugundzeit verschoben.

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Aus horizont.net

Durchschnittlich 107 Minuten gehen Smartphonebesitzer täglich ins Netz, ermittelt der Mobilspezialist InMobi. 50 Prozent nutzen ihr mobiles Endgerät als hauptsächlichen oder sogar als einzigen Internetzugang. Besitzer stationärer PCs surfen 95 Minuten pro Tag, Tabletnutzer 18 Minuten. Dafür sehen Nutzer mobiler Endgeräte lediglich 85 Minuten pro Tag fern, hören 57 Minuten Radio und lesen 31 Minuten Zeitung.

Man sollte sich vielleicht mal den Grund für die Zahlen überlegen, bevor man ihnen eine Bedeutung zuweist.

Das liegt simpel und einfach an den unterschiedlichen (Daten)Tarifen für die Onlinenutzung. So ziemlich jedes Smartphone hat heute eine Internetflat.
Bei den Tablets ist die Flat eher noch Mengenbasiert, manche Nutzer gehen also nur gezielt ins Netz. Tablets werden auch zum (offline)lesen von Büchern und Offline-Spielen und vielem mehr genutzt.

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Nachdem es um den Euroscientist, den EU-Science-Blog, leider recht ruhig geworden ist, schreibe ich nun auch für die Deutschen ScienceBlogs, in Partnerschaft mit National Geografic.

Spannendes Umfeld mit kompetenten Kollegen in den anderen Blogs. Und recht gute und sinnvolle Kommentare zu den ersten Beiträgen. Bisher 32 Kommentare zum ersten Beitrag, das kann sich sehen lassen. 🙂

Hier ist der direkte Link zum Aviation-Blog: Flug und Zeit.

Und hier zu den ScienceBlogs allgemein.

Weitere diskussionsträchtige Beiträge sind in der Pipeline.

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Der Spiegel macht immer wieder Freude. Man kann sich beim Lesen so herrlich über die Schreiberlinge amüsieren. Aus einem Text über Lance Armstrong, veröffentlicht in: Der Spiegel 2/2013.

Armstrong befindet sich im freien Fall, und in welcher Tiefe er aufschlagen wird, lässt sich ahnen.

Als Journalist sollte man nicht mit Mutmassungen und Vorahnungen um sich werfen, sondern Fakten präsentieren. Versuchen wir also die obige Mutmassung als simple Mathe-Physik-Aufgabe zu lösen:

Weg = Geschwindigkeit x Zeit

Die gesuchte Tiefe ist der Weg, Geschwindigkeit ist nach rund 10 Sekunden Beschleunigung im freien Fall seine dann erreichte konstante Endgeschwindigkeit. Die liegt um die 200 Stundenkilometer, mit denen ein Mensch in stabiler Lage der Erde entgegen fällt.

Was aber machen wir mit der Zeit? Ist es also zeitabhängig, wann er auf ein Hindernis auftrifft?

Das Problem liegt im hinkenden Vergleich. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass der freie Fall genau dann zu Ende ist, wenn der Mensch entweder seinen Fallschirm aktiviert oder weiter mit konstanter Geschwindigkeit fällt, bis er auf auf die Erdoberfläche trifft: auf Baum, Haus, Erdboden, Wasser…

Wann Letzteres eintritt, hängt allein von der Höhe über Grund ab, in der die Überlegung angestellt wird. Und damit nach der Formel auch nach der Zeit, die ihm zwischen seiner derzeitigen Höhe und dem Erdboden bleibt.

Kurz und gut, leider passt das erneut: Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

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Zitat aus Der Spiegel 51, 2012 (Bericht über einen EU-Gipfel)

Eigenlob liegt häufig neben der Wahrheit, doch in diesem Fall ist der Abstand besonders groß.

Nehmen wir die Herren doch mal beim (eigenen) Wort, oder besser Zitat. Oder wie soll man die ganzseitige Anzeige im gleichen Magazin sehen, die sich im Januar 2013 an Spiegel-Leser wendet?

Jetzt sind Sie gefragt! Journalismus muss ausgezeichnet sein. Schicken Sie uns Ihre Vorschläge für den Henri Nannen Preis 2013.

Dass Journalistenauszeichnungen dieser Größenordnung stets nur an affilierte Redakteure einiger weniger ausgesuchter (Hamburger) Großpublikationen gehen, ist Tatsache. Muss man da auch noch so plump dafür Eigenwerbung betreiben?

Welcher normale freie Journalist kann sich eine ganzseitige Anzeige im Spiegel für seine Arbeit in einer anderen Publikation leisten?

Eigenlob stinkt. Das weiß sogar der Spiegel. Es kümmert nur keinen.

 

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