Bildunterschriften beim Spiegel sind in der Journalismusausbildung immer ein gutes Beispiel – für schlechten Journalismus. Denn eine BU (Journalistenjargon) sollte zum Bild passen; das Bild textlich erläutern, sodass beide inhaltlich eine Einheit bilden.
Erfreulicherweise fällt der beim Spiegel übliche Mismatch zwischen Bild und BU nun auch einer normalen Leserin auf:
“…Die Titelzeile aber reißen Sie völlig aus dem Zusammenhang. Nur der gründliche Leser bemerkt, dass Frau Käßmann mit diesem Satz … charakterisierte. Der flüchtige Leser muss annehmen, sie übe sich in Selbstmitleid, was gerade nicht der Fall ist.”
Dass diese Unfähigkeit System hat, zeigt sich wenige Seiten später im selben Spiegel (26/2010). Da ist in einem Artikel über Joachim Gauck das Foto einer jungen Dame mit Gauck-Werbeplakat abgedruckt. Mit folgender BU: “Gauckunterstützerin: Ich wusste bisher gar nicht, was dieses Facebook ist.”
Der Satz aber war laut Fließtext ein Zitat von J. Gauck und nicht der Gauckunterstützerin.