Posts tagged ‘Journalismus’

Journalistischer Nachwuchs, warum viele auf der Strecke bleiben

In diesem Kress-Beitrag spricht mir ein junger Kollege (Tim Wessling) aus der Seele. Endlich mal einer, der es begriffen hat. Hoffentlich setzt er sich durch.

In meinen Worten:

Journalismus braucht Querdenker.

Fortschritt (gerade in schwierigen Zeiten noch wichtiger) kommt nur durch Nicht-Angepaßtsein.
Durch Umdenken.
Neu-Denken!

Auf Stromlinie getrimmte Journalisten-Schulen-Absolventen können keine Veränderung bewirken.

Zinnsoldaten sind nicht die, die Welt vorantreiben.

Ein Mix aus möglichst buntem Lebenslauf, fundierter fachlicher! Bildung, ergänzt durch Journalismus und Erfahrung, ist wichtiger als gleich gegossene, gleich denkende Absolventen mit perfekt geplantem und abgestimmtem Lebenslauf.

Es braucht Brüche im Lebenslauf. Zeigen, dass man nach einem Rückfall wieder aufstehen und weitermachen kann. Dass man auch Schwierigkeiten meistert und nicht nur vom goldenen Serviertablett herab auswählen kann.

Es braucht eine(n) „Steve Jobs“. Auch im Journalismus.

Flattr this!

Damit nicht nur ein Mediendienst am Pranger steht, zitieren wir auch Peter Turi, der ebenfalls mit Infos über die Fehler anderer seine Werbeeinnahmen abschöpft:

Der kleine Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen? Googles Autovervollständigung schlägt den Deutschen auf die Frage „Wie macht man …“ ganz profan die Erweiterung „… Rührei“ vor. Franzosen finden nach „Comment fait on …“ natürlich „… l’maour“.

(aus dem Newsletter vom 18.9.2013)

🙂  Gerade die Pointe im Journalismus sollte korrekt sein. Hätte was.

Flattr this!

Nein. Und nochmals Nein.

Wer solche Fragen stellt (im „Journalist“ und im täglichen Leben), der hat in diesem Beruf nichts verloren. Wenn es nicht in der Seele brennt, wenn man nicht selbst davon überzeugt ist, dass das die richtige (und einzig mögliche) Entscheidung ist, dann hat man oder frau in diesem Beruf nichts verloren. Er oder sie wird an den harten Anforderungen im Alltag zwangsläufig scheitern.

Das Gejammere, dass eine junge (bisher festangestellte) Journalistin, nun „nicht weiß, wovon sie die Miete im nächsten Monat bezahlen soll“, zeigt, dass sie den falschen Beruf gewählt hat. Freie Journalisten müssen jeden Monat sehen, wovon sie im nächsten Monat leben. Aufträge fliegen selten beim Fenster herein. Und über das Wohlfühlmodell des steten Gehalts am Ende des Monats, egal, ob man krank war, auf Urlaub oder auch sonst nur nicht ans Telefon ging, lächeln Freie schon lange. Freie erhalten im Schnitt die Hälfte an Einnahmen von Festangestellten und müssen dafür für all diese Fälle vorsorgen, neben der (lästigen) Akquise, dass auch noch jemand die eigene Arbeit als druckenswert ansieht.

Wem der Realitätssinn dafür fehlt, dass auf Lebenszeit angestellte Journalisten ein Auslaufmodell sind, der ist in diesem Beruf fehlt am Platz.

 

Flattr this!

(Zunächst: das ist eine Beobachtung zur Berichterstattung und kein Beitrag zur Thematik des tragischen Vorfalles an sich.)

In der Deutschsprachigen Presse sind Berichte zu diesem  Thema dem Begriff „Newtown“ zugeordnet. Newtown ist die Stadt in Connecticut, in der das Drama an der Volksschule stattfand.

In amerikanischen Berichten und im amerikanischen Alltag geht es stattdessen um „Sandy Hook“, wenn auf das Thema der Schießerei und deren Folgen referenziert wird. „Sandy Hook“ ist der Name der Volksschule.

Flattr this!

…aber das nicht (aus Frankfurter Rundschau Online vom 8.12.2012):

In Deutschland kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen mit Kleinflugzeugen.

Es kommt auch immer wieder zu tödlichen Unfällen im Auto, beim Schifahren und durch Baumängel. Der Mensch, jeder, um genau zu sein, stirbt irgendwie irgendwann, so endet nun mal das menschliche Leben.

Obiges Zitat ist eine Plattitüde und keine seriöse Recherche. Im Artikel werden auch einen Tag später weder die beiden Flugzeugtypen, noch das Wetter über der Unfallstelle aus meteorologischer Sicht genannt, auch nicht, welche Maschine Vorflugrecht hatte (das lässt sich anhand des abgebildeten Wracks feststellen).

Es mangelt im Text an für den Unfall spezifischen, recherchierten Fakten, die auch zum jetzigen Zeitpunkt für fachkundige Journalisten schon in Erfahrung zu bringen sind:

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren die ganze Nacht bei Minusgraden mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Unfallstelle war weiträumig abgesperrt, Blaulicht zeugte in der Dunkelheit der Wetterau weithin von der Katastrophe. Ein Polizeihubschrauber beleuchtete das etwa einen Quadratkilometer große Trümmerfeld.

Auch wie die Unfalluntersucher aussehen und ihr Zelt gegen die Kälte ist für den Fall nicht relevant. 🙁  Das entspricht eher der Qualität eines Schulaufsatzes: Was passierte heute in unserem Dorf?

Worteschinderei und blabla statt fachkundiger Recherche. 🙁
Wer glaubt ernsthaft, dass ein Leser bereit ist, für solche Wortansammlungen Geld zu bezahlen?

Verleger Michael Ringier:

Der Journalismus ist nicht in erster Linie durch das Internet gefährdet. Die viel größere Bedrohung sind die Journalisten selber.

Anmerkung:
Obiger Blogbeitrag wurde auch als Kommentar auf der Seite der fr gepostet. Das erste Mal war er wenige Minuten nach dem Veröffentlichen gelöscht. Der zweite Versuch ist hier dokumentiert. Kurze Zeit später war auch der zweite Kommentar gelöscht, dafür folgende Email bei mir:

Sehr geehrte/r User/in,
bitte unterlassen Sie zukünftig Unterstellungen und Diffamierungen gegen unsere Redakteure.
Sie können die Artikel gerne sachlich kritisieren, aber beachten Sie dabei unsere Netiquette.
Bei weiterer Zuwiderhandlung werden wir Ihren Account löschen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr FR-Online Team

Ergänzung (11.12): mein Kommentar, auch wenn er offiziell mit einem Drohbrief an mich zurückgewiesen wurde, hat zumindest bewirkt, dass nun nachrecherchiert wurde.
Im frischen zweiten Beitrag, nun einige Tage nach dem Unfall hat die fr nun tatschlich die Wetterbedingungen bei der Flugsicherung (!), nachgefragt. Aus erster Hand recherchiert man die beim DWD. Aber immerhin. Man wird ja bescheiden bei den Qualitätsansprüchen im Journalismus.

Eine Robin (für Fachkundige auch schon auf dem Unfallfoto als Flugzeug erkennbar) ist kein UL. Und die Saratoga, ein sechsitziger Zweitonner, erst recht nicht. Und ja, das macht einen Unterschied für die Zulassung/Anforderung von/an Flieger und Pilotenlizenz.

Wenn man bei der fr zwar meine Kritik am schlecht recherchierten fr-Beitrag mit einem Drohbrief zurückweist, den Kommentar-Inhalt aber zumindest ansatzweise versucht umzusetzen, zeigt, dass dessen Inhalt wohl korrekt war. Sehr korrekt sogar. Schlechter Stil für den Umgang mit Lesern ist das allemal.

Unser Beileid gilt den Angehörigen des 737-Kapitäns und seiner Lebensgefährtin und ebenso den Angehörigen der Familie in der Saratoga.

Flattr this!

Zwei Zitate aus dem Journalist 5/2012, Autor ist Ralf Geißler.

Journalisten können ihren Beruf gar nicht mit dem Leben verwechseln, weil sie beides für dasselbe halten.

Wenn man Journalisten als Ausgleich (zur Arbeit) Waldläufe empfiehlt, nehmen sie ein Pulsmessgerät mit und schreiben anschließend eine Geschichte übers Joggen.

No need to comment.

Flattr this!