Lenaismus

Unter dem Titel „Lenaismus“ brachte der Spiegel einen mehrseitigen Beitrag zum Eurovision Song Contest in Oslo. Optisch geschönt mit einem ganzseitigen Gesichtsportrait von Lena Meyer-Landrut. Die Sängerin trägt darauf eine Brille mit dem gut sichtbarem Schriftzug des Herstellers Ray Ban. Für etwas lebenserfahrene Menschen ist die Brille als „Wayfarer“ gut erkennbar. Diese erlangte gerade in Musikerkreisen Berühmtheit, weil sie unter anderem ein Markenzeichen der „Blues Brothers“ war.

Der Verfasser des Beitrages, Tobias Rapp, gefeierter Musikredakteur der taz, schreibt dazu peinlicherweise im zweiten Absatz des Spiegelartikels über Lena Meyer-Landrut: „…ein staunender Blick durch eine sehr große, schwarze Nana-Mouskouri-Brille.“

Nun hat sich Nana Mouskouri in ihrem Künstlerleben mit vielen großen, runden Brillen geschmückt – die typische Form der Wayfarer war nach meiner Recherche nicht dabei.

Aber das ist ja nur das Wissen einer Wissenschafts- und Technikjournalistin – Musik zählt beruflich nicht zu meinen Fachgebieten… Die Dokumentationsabteilung des Spiegel umfasst laut Impressum 75 Mitarbeiter. Was machen die bloß den lieben langen Tag? Fundierte Allgemeinbildung scheint für die Recherche jedenfalls nicht Voraussetzung zu sein…

Eine Wayfarer zu tragen, ist seit Jahrzehnten ein Statement. Für einen guten Journalisten, der ein Portrait über eine Trägerin dieser Brille macht, wäre die Nachfrage dazu wesentlich ergiebiger als der falsche Schubladenvergleich mit Nana Mouskouri.

Flattr this!

Dieser Beitrag wurde unter Journaille abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.